Das Weber-Paradigma

Buch

Ein zentraler Schwerpunkt des Forschungsbereiches „Soziologische Theorie“ liegt in der Explikation und Weiterentwicklung des Weber-Paradigmas.

Die Ausarbeitung dieses Weber-Paradigmas wird dabei auf zwei Wegen verfolgt: Einerseits liegt der Fokus auf der systematischen Rekonstruktion und Explikation des Werkes Max Webers. Andererseits wird dieses Paradigma durch bewusste Konfrontation mit den theoretischen Angeboten konkurrierender Forschungsprogramme – insbesondere der Systemtheorie (N. Luhmann), der Theorie des kommunikativen Handelns (J. Habermas) und der Rational-Choice Theorie – weiterentwickelt.

Ziel ist es, ein konkurrenzfähiges soziologisches Paradigma zu entwickeln, das an die aktuelle nationale wie internationale Theoriediskussion anschlussfähig ist. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Entfaltung seines Potentials zur Analyse der Institutionen moderner Gesellschaften.

Für die Ausarbeitung und Weiterentwicklung des Weber-Paradigmas erwies sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Religionswissenschaftlern, Theologen, Historikern, Philosophen, Wirtschaftswissenschaftlern und Politikwissenschaftlern als besonders fruchtbar. Darüber hinaus kommt insbesondere der langjährigen engen Zusammenarbeit mit einer Reihe von Kollegen aus dem Ausland eine große Bedeutung zu. In Ergänzung zur theoretischen Weiterentwicklung des Weber-Paradigmas am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg liegen die Forschungsschwerpunkte dieser Kooperationspartner stärker auf:

  • der Vielfalt kultureller, politischer und ökonomischer Modernisierung: Prof. Shmuel N. Eisenstadt (Hebrew University of Jerusalem), Prof. Noriyuki Tanaka (Kyoto University).
  • auf philosophisch-methodologischen Betrachtungen: Prof. Pietro Rossi (Università di Torino)
  • auf sozialgeschichtlich-biographischen Untersuchungen: Prof. Guenter Roth (Columbia University, New York).

Diese Zusammenarbeit wurde unter anderem mit dem Max Planck-Forschungspreis ausgezeichnet.

Darüber hinaus wird am Institut für Soziologie eine Schriftenreihe unter dem Titel „Studien zum Weber-Paradigma“ (VS Verlag für Sozialwissenschaften) von G. Albert, A. Bienfait, S. Sigmund und M. Stachura herausgegeben, die als Publikationsort für die Resultate dieser Forschungen zur Verfügung steht.

Des Weiteren wird die Weiterentwicklung des Weber-Paradigmas im Rahmen von Konferenzen und Einzelpublikationen fortgeführt.

Literaturempfehlungen:

  • Schwinn, Th./Albert, G. (Hg.): Alte Begriffe - Neue Probleme. Max Webers Soziologie im Lichte aktueller Problemstellungen. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schwinn, Th., 2013: Max Weber und die Systemtheorie. Studien zu einer handlungstheoretischen Makrosoziologie. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schwinn, Th., 2010: Wirtschaftssoziologie als Gesellschaftstheorie? Kritische Anmerkungen aus einer Weberschen Perspektive, in: Andrea Maurer (Hg.): Wirtschaftssoziologie nach Max Weber. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Schluchter, W., 2009: Die Entzauberung der Welt. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schluchter, W., 2007: Grundlegungen der Soziologie, Band II. Die doppelte Wende – eine systemtheoretisch und eine sprachtheoretische fundierte Soziologie. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schluchter, W., 2006: Grundlegungen der Soziologie. Band I: Die mehrfache Konstitution der Soziologie. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schwinn, Th., 2006: "Der Nutzen der Akteure und die Werte der Systeme", in: R. Greshoff/U. Schimank (Hg.), Integrative Sozialtheorie? Esser-Luhmann-Weber. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Schwinn, Th., 2006: "Lassen sich Handlungs- und Systemtheorie verknüpfen? Max Weber, Talcott Parsons und Niklas Luhmann", in: Klaus Lichtblau (Hg.), Max Webers 'Grundbegriffe'. Kategorien der kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Albert, G.; Bienfait, A.; Sigmund, S.; Stachura, M. (Hg.), 2006: Aspekte des Weber-Paradigmas. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (Bd. 1 der Schriftenreihe: Studien zum Weber-Paradigma)
  • Schluchter, W., 2005: Handlung, Ordnung und Kultur. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Albert, G.; Bienfait, A.; Sigmund, S.; Wendt, C. (Hg.), 2003: Das Weber-Paradigma. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Schwinn, Th., 2001: Differenzierung ohne Gesellschaft. Umstellung eines soziologischen Konzepts. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft
  • Schluchter, W., 1998: Die Entstehung des okzidentalen Rationalismus. Frankfurt/M.: Suhrkamp
  • Schwinn, Th., 1993: Jenseits von Subjektivismus und Objektivismus. Max Weber, Alfred Schütz und Talcott Parsons. Berlin: Duncker & Humblot
  • Schluchter, W., 1988: Religion und Lebensführung, 2 Bde. Frankfurt/M.: Suhrkamp