Projektseminar – Die Schnittstelle zwischen Ausbildungs- und Versorgungssystem in Einrichtungen des Gesundheitswesens

Im Rahmen des Projektseminares im Masterstudiengang Soziologie führen wir ein (Lehr-)Forschungsprojekt im Zeitraum April 2021 bis März 2022 durch. Das Projektseminar wird von 26 Studierenden unter der Leitung von PD Dr. Stefan Bär realisiert.

Zum Hintergrund
Ausgelöst durch demografische, epidemiologische und strukturelle Entwicklungen in der Versorgung verändern sich auch die Anforderungen an das Pflegepersonal. Sich wandelnde Versorgungsstrukturen erfordern eine zukunftsfähige Ausbildung mit übergreifenden pflegerischen Qualifikationen (vgl. BAFzA 2019, S. 3). Seit dem 01. Januar 2020 gilt daher das neue Pflegeberufegesetz, welches die bisherigen drei Pflegefachberufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammenführt. Die neue Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/Pflegefachmann soll die Auszubildenden befähigen, Menschen aller Altersgruppen bestmöglich zu pflegen und dadurch  in allen Versorgungsbereichen flexibel einsetzbar zu sein  (vgl. BAFzA 2019, S. 3). Die generalistische Pflegeausbildung bietet in ihrer Ausführung eine Reihe an Chancen, jedoch auch Herausforderungen und Risiken. Besonders in der Kinderkardiologie sprechen die Verantwortlichen von einer deutlichen Verschärfung der Probleme und Versorgungsengpässen, da die kinderchirurgische Richtlinie Anforderungen fachlicher, struktureller und personeller Art sowie eine langjährige Spezialisierung verlangt (vgl. DGPK 2020,S. 2).  

Nicht erst die Covid-19-Pandemie offenbarte, dass das deutsche Gesundheitswesen von einem enormen Fachkräftemangel, insbesondere im intensivpflegerischen Bereich, geprägt ist. Eine aktuelle Erhebung zum Fachkräftemangel zeigt, dass zum Erhebungszeitpunkt 53% der Krankenhäuser Probleme hatten, Pflegestellen in ihrem Intensivbereich zu besetzen (vgl. Blum 2017, S. 52). Insgesamt blieben ca. 8% der Vollzeitstellen in der Intensivpflege vakant, was in absoluten Zahlen 3.150 unbesetzten Vollzeitstellen entspricht (vgl. a.a.O., S. 55). 

Der Fachkräftemangel, der sich wandelnde Versorgungs- und Qualifikationsbedarf einer alternden Gesellschaft und drohende Kompetenzdefizite im intensivpflegerischen Bereich stellen drängende Fragen hinsichtlich des Zusammenwirkens von Ausbildungs- und Versorgungssystem für die Zukunft. Es lassen sich jedoch kaum empirische Studien finden, welche mögliche Maßnahmen der Koordination zwischen Ausbildung und Versorgung in der Krankenpflege allgemein und in der Intensivpflege im Besonderen behandeln. Bei bisherigen Veröffentlichungen wird eine gute Vernetzung von Ausbildung und Versorgung empfohlen, welche durch Kooperationsverträge mit regelmäßigem Austausch, sowie durch eine gut strukturierte Unterweisung der Auszubildenden durch Praxisanleiter:innen erreicht werden kann (vgl. BAFzA 2019, S. 5)  

Projektvorhaben
Vor diesem Hintergrund knüpft das Projekt an eine Vorstudie (gefördert durch HEiKAexplore) an und adressiert Herausforderungen wie den zunehmenden Versorgungsbedarf bspw. älterer und multimorbider Patient:innen, sich damit ändernde Qualifikationserfordernisse, drohende  Kompetenzlücken, Grenzen finanzieller Ressourcen und insbesondere den Fachkräftemangel. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Heidelberg möchte das Projekt einen Beitrag zur zukunftsfähigen Koordination der Schnittstelle zwischen Aus- und Weiterbildung im Pflegeberuf und dem gegenwärtigen und zukünftigen Bedarf an gut qualifiziertem Pflegepersonal am Klinikum leisten. 

Das Projekt nimmt hierzu das konkrete Beispiel der Intensivpflege in der Kinder- und Erwachsenenkardiologie am Universitätsklinikum Heidelberg in den Blick. Eine Erhebung mittels qualitativer Interviews bildet hierbei die Grundlage für spätere Handlungsempfehlungen in Form eines Projektberichts bezüglich der Schnittstelle zwischen Ausbildungs- und Versorgungssystem. 

Das Projektteam

Projektteam

Ansprechpartnerinnen des Projektteams sind: Meike Geider, Karolin Leibig und Svende Linder: kontakt.ps2122@mwi.uni-heidelberg.de 

Literatur 

Blum, Karl. 2017. Personalsituation in der Intensivpflege und Intensivmedizin. Gutachten des Deutschen Krankenhausinstituts. Düsseldorf: DKI https://www.dki.de/sites/default/files/2019-05/Personalsituation%20in%20der%20Intensivpflege.pdf (Zugegriffen: 21. Jun. 2021).

Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). 2019. Arbeitshilfe für die praktische Pflegeausbildung. Köln: BAFzA https://www.pflegeausbildung.net/fileadmin/de.altenpflegeausbildung/content.de/Publikationen/Broschuere_Arbeitshilfe_Pflegeeinrichtungen.pdf (Zugegriffen: 21. Jun. 2021). 

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK). 2020. Offener Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zum Fehlen kurzfristiger Lösungen für lebensentscheidende Herzoperationen. http://www.kinderkardiologie.org/fileadmin/user_upload/Presse/Final_Homepage_DGPK_Offener_Brief_Bundesgesundheitsminister.pdf (Zugegriffen: 24. Mai 2021)