Summer School „Social Entrepreneurship and Social Engagement in the North Caucasus”

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An einer Schule in Grosny (Tschetschenien) zeichnen und gestalten Kinder von 7 bis 17 Jahren Animationen und Cartoons. Sie sind Teil des sozialintegrativen Projektes „MADIS“, über das die Gründer*innen Madina Nuradieva und Israil Tamaev Kindern aus benachteiligten Familien Chancen eröffnen und ihre Kommunikationskompetenzen zeichnerisch fördern. MADIS ist eine der Projektideen, die zum Abschluss der Summer School „Soziales Unternehmertum im Nordkaukasus“ mit einem Preis ausgezeichnet wurden.

Soziales Unternehmertum im Nord-Kaukasus, gefördert von der DFB-Stiftung Egidius Braun und der DFL Stiftung – den Stiftungen des Deutschen Fußballs aus Anlass der Fußball WM in Russland: diese höchst ungewöhnliche Kombination diente als Grundlage und Ausgangspunkt für eine dynamische und eindrückliche Summer School, die vom 2.-6. Juli 2018 im Hochgebirgsort Dombay in der Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien stattfand. Eine Woche lang trafen sich dort 29 junge Teilnehmer*innen unter 30 aus acht Ländern bzw. Teilrepubliken des Nordkaukasus und diskutierten und erarbeiteten die Grundlagen sozialen Unternehmertums, präzisierten ihre Projektvorhaben und entwickelten konkretere Ideen für einen lösungsorientierten Geschäftsansatz. Sie alle gewannen wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung ihrer noch jungen Organisation.

Inhaltlich konzipiert und durchgeführt wurde die Summer School unter der Federführung des Centrums für Soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg (CSI) in einer Kooperation mit der North-Caucasus Federal University (NCFU) und der regionalen NGO „Center for Network Initiatives Support“ (CNIS), beide aus Stavropol, Russland. Die gemeinsame Leitung lag bei  Prof. Valery Shapovalov, Dekan der Sozialwissenschaften an der NCFU, Dr. Volker Then, Geschäftsführender Direktor des CSI, und Sophia Shakirova, Direktorin des CNIS. Als Moderatoren bzw. Experten vor Ort wirkten von russischer Seite Iznaur Khazuev und Rasul Naymanov (CNIS), Sergey Ponomarev und Irizna Pavlova (Moskauer Stiftung Nashe Budushee), Oksana Mukhoryanova  und Irina Savchenko von der North-Caucasus Federal University, sowie von deutscher Seite Dr. Adrian Fuchs (FASE), dem Finanzintermediär von Ashoka Deutschland aus München, sowie Dr. Volker Then und Martin Hölz (CSI).

Dombay, Karachai-Tcherkessia, Russland, Juli 2018

 

Seminar Team:

Irina Pavlova und Sergey Ponomarev (Nashee Budushee, Russland)

Adrian Fuchs (Fase GmbH, Deutschland)

Iznaur Khazuev und Rasul Naymanov (CNIS, Russland)

Volker Then und Martin Hölz (CSI, Deutschland)

Oksana Mukhoryanova und Irina Savchenko (NCFU, Russland)

Worum genau ging es?

Wie können soziale Probleme möglichst konkret beschrieben und erfasst werden? Wie lassen sich Ressourcen und Möglichkeiten so kreativ kombinieren, dass daraus Chancen erwachsen? Mit wem muss ich als Gründer*in sprechen, an wen muss ich denken, für wen lohnt sich mein Engagement? Und wie wirkt es? Der Grundgedanke bei der Programmgestaltung und der Zusammenstellung der sich abwechselnden interaktiven Übungen, Trainings und Präsentationen der Summer School bestand in der Überzeugung der Organisatoren, die jungen Teilnehmer*innen in ihren eigenen Erfahrungen und bei den Schritten in Richtung Gründung oder Weiterentwicklung ihres Sozialunternehmens zu begleiten, zu unterstützen und somit zu deren Capacity Building beizutragen. Patent-Rezepte sind dabei tunlichst zu vermeiden, stattdessen bedurfte es einer kultursensiblen Anpassung an die gesellschaftliche Situation in der Region in gemeinsamer Anstrengung des internationalen russisch-deutschen Organisationsteams.

Daher verband das Programm der Summer School die beiden auf den ersten Blick widerstrebenden Bestandteile des Sozialen und des Unternehmertums auf sehr pragmatische Weise. Thematisch gründeten die Inhalte auf zahlreichen und vielfältigen Forschungsergebnissen des CSI, die in den vergangenen Jahren zu den Themen Soziales Unternehmertum und Soziale Innovationen erzielt wurden. Gemeinsam mit Erfahrungen der russischen Partner in der sich dort ebenfalls entwickelnden sozialunternehmerischen Landschaft gelang die Übersetzung in die praktische Anwendbarkeit dieser Erkenntnisse. Die Woche war geprägt von einem vielfachen Wechsel der sehr interaktiv angelegten Arbeitsformate, die von Design Thinking Übungen zur Schärfung des Verständnisses sozialer Probleme über Gruppendiskussionen und intensiver Arbeit an den eigenen Projekten der Teilnehmer*innen bis hin zur Selbstüberprüfung des eigenen Businessplans anhand angeleiteter Instrumente reichten. Dabei ging es nicht nur um analytisches Wissen, sondern auch um einen empathischen Zugang zu den Bedürfnissen der von den sozialen Problemlagen betroffenen Menschen und besonders der Zielgruppe im engeren Sinn. Sozialunternehmertraining im besten Sinne – zielend auf einen klaren sozialen Fokus, eine präzise unternehmerische Strategie und eine gestärkte Unternehmerpersönlichkeit mit klaren Wertvorstellungen. Hier trafen sich Sozialunternehmer und Fußball: in den Werten der Fairness, der Verantwortung füreinander im Team, im Respekt, auch vor der Vielfalt der anderen, und in der Toleranz.

Zum Abschluss der Woche gab es einen Wettbewerb, bei welchem die Teilnehmer*innen ihre ausgearbeiteten Projektideen vorstellen konnten. Bewertet von einer fünfköpfigen Jury konnten an sechs Gruppen bzw. Teilnehmer Preise von je ca. € 800 vergeben werden, deren Projekte sich vor allem mit Bildung für Kinder und Jugendliche, Angeboten für Menschen mit Behinderungen, kulturellen Angeboten und IT-basierten Problemlösungen befassen.

Auch Magomed Batchaev zählt zu den strahlenden Gewinnern. Er hat erst vor kurzem in Tscherkessk (Karatschai-Tscherkessien) ein Freiwilligenzentrum eröffnet. Die angebotenen sportlichen Aktivitäten im „BISON“ bringen Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen mit älteren Jugendlichen in Kontakt; als gewünschter „Nebeneffekt“ erfahren die Kinder so den Umgang mit Selbständigkeit und Respekt, aber auch eigener Verantwortung, und lernen, sich freiwillig zu engagieren. „Der finanzielle Hintergrund ist nicht das Wichtigste“, so Batchaev, der gesellschaftliche Benefit ist bedeutend höher.

So begeisterte das ungewöhnliche Vorhaben einer Summer School im Nord-Kaukasus nicht nur die jungen Gäste, von denen einige erst kurzfristig von der Nachrücker- auf die Teilnehmerliste wechseln konnten und dann zu einer Tagesreise mit den Marschrutki aufgebrochen sind. Auch die  Organisator*innen und Koordinator*innen waren beeindruckt von der Energie, dem Enthusiasmus und der Begeisterungsfähigkeit der Teilnehmer*innen, die über die Woche hinweg einen großartigen Teamgeist entwickelt haben.

Am Ende der Woche stand die Verabredung, dass es bei diesem einmaligen Erlebnis nicht bleiben soll. Vertreter aller mitwirkenden Partner begleiten die prämierten Gewinner mittels Webinaren auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Organisationsentwicklung und möchten so zu einem nachhaltigen Austausch zwischen Russland und Deutschland beitragen. Die russische Zivilgesellschaft ist jung, begeisterungsfähig und engagiert. Sie blüht in vielen kleinen und größer werdenden Projekten, die aller Unterstützung wert sind. Die gemeinsamen Bemühungen wurden vom russischen Fernsehen mit einer Reportage gewürdigt. Diese Delegation des deutschen Fußballs bei der WM 2018 war sehr international und interkulturell besetzt!