Prof. Dr. Thomas Schwinn

Max-Weber-Institut für Soziologie
Universität Heidelberg
Bergheimer Str. 58
69115 Heidelberg

Kontakt: siehe LSF

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

  • Soziologische Theorie
  • Max Weber
  • Multiple Modernities
  • Differenzierungstheorie
  • Soziale Ungleichheit

Forschungsbereich Theoretische Soziologie

Soziologische Theorie – Max Weber-Forschung

Das theoretische Profil des Max-Weber-Instituts für Soziologie ist seit vielen Jahren durch den Versuch bestimmt, mittels einer systematischen Rekonstruktion des Werkes von Max Weber ein soziologisches Paradigma zu entwickeln, dass an die zeitgenössische nationale und internationale Theoriediskussion anschlussfähig ist. Über die weberimmanente Interpretation und Rekonstruktion hinaus wird dieser Ansatz in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Paradigmen entwickelt, wie der Systemtheorie, Rational Choice, Theorie des kommunikativen Handelns, Praxistheorien. Der Max-Weber-Ansatz stellt eine konkurrenzfähige Alternative zu diesen Theorien in der Soziologie dar.

Das damit verbundene Forschungsprogramm wird im Rahmen von Konferenzen, Publikationen und einer Buchreihe (Studien zum Weber-Paradigma, Springer VS) fortgeführt. Wissenschaftler aus vielen Ländern kommen für ihre Forschung an das Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Alte Begriffe – Neue Probleme. Max Webers Soziologie im Lichte aktueller Problemstellungen (hrsg. mit Gert Albert). Tübingen: Mohr Siebeck 2016.
  • Max Weber und die Systemtheorie, Tübingen: Mohr Siebeck 2013.
  • „Jürgen Habermas on Linking Systems and Action Theory“, in: SpazioFilosofico 2016, S. 143-156, Online ISSN: 2038-6788, http://www.spaziofilosofico.it/.
  • Artikel „Ordnung“,„Wertsphären und Lebensordnungen“, „Zwischenbetrachtung“, in: Hans-Peter Müller und Steffen Sigmund (Hg.), Max-Weber-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, Stuttgart/Weimar 2014, S. 98-100, S. 147-149, S. 259-262.
  • „Interaktion, Organisation, Gesellschaft. Eine Alternative zu Mikro-Makro?“, in: Bettina Heintz/Hartmann Tyrell (Hrsg.), Interaktion, Organisation, Gesellschaft revisited. Sonderheft 2 der Zeitschrift für Soziologie zu Niclas Luhmann. Stuttgart: Lucius 2015, S. 43-64.
  • „Brauchen wir den Systembegriff? Zur (Un-)Vereinbarkeit von Akteur- und Systemtheorie“, in: Gert Albert und Steffen Sigmund (Hg.), Soziologische Theorie - kontrovers. 50. Sonderheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010, S. 447-461, S. 472-477.
  • „Institutionenanalyse und Makrosoziologie nach Max Weber“, in: Mateusz Stachura/Agathe Bienfait/Gert Albert/Steffen Sigmund (Hg.), Der Sinn der Institutionen. Mehr-Ebenen und Mehr-Seiten-Analysen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009, S. 43-69.
  • „Individual and Collective Agency“, in: William Outhwaite / Stephen P. Turner (eds.), The SAGE Handbook of Social Science Methodology, London: Sage 2007, S. 302-315.
  • „Der Nutzen der Akteure und die Werte der Systeme“, in: Rainer Greshoff/Uwe Schimank (Hrsg.), Integrative Sozialtheorie? Esser - Luhmann - Weber, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006, S. 39-62
  • „Unterscheidungskriterien für handlungs- und systemtheoretische Paradigmen in der Soziologie“, in: Manfred Gabriel (Hg.), Paradigmen der akteurszentrierten Soziologie, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004, S. 69-89.
  • „Makrosoziologie jenseits von Gesellschaftstheorie. Funktionalismuskritik nach Max Weber“, in: Jens Jetzkowitz und Carsten Stark (Hg.), Soziologischer Funktionalismus. Zur Methodologie einer Theorietradition, Opladen: Leske + Budrich 2003, S. 83-109.
  • Jenseits von Subjektivismus und Objektivismus. Max Weber, Alfred Schütz und Talcott Parsons, Berlin: Duncker & Humblot 1993.

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Multiple Modernities und Globalisierung

Die Genese der Moderne interessierte die Klassiker der Soziologie. Heute steht die Ausbreitung dieser Epoche in den Globalisierungsprozessen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dies stellt eine Herausforderung für die soziologische Theorie, auch die Max Webers dar. Die bisher angebotenen Grundkoordinaten zur Bestimmung von Modernität bieten keine sicheren Leitorientierungen mehr. Bestehende sozialtheoretische Begriffe, Konzepte und Modelle müssen überdacht werden. Modernisierung und Verwestlichung sind nicht deckungsleicht. In ihrer aktuellen Ausbreitung pluralisiert sich die Moderne, knüpft an Max Webers kulturvergleichender Soziologie an und entwickelt sie in Auseinandersetzung mit alternativen Theorieangeboten, wie Weltgesellschafts- und Weltsystemtheorien weiter.

Eine thematische Auswahl von Publikationen des Autors in den zurückliegenden Jahren:

  • „Von der vergleichenden Religionssoziologie zur vergleichenden politischen Soziologie. Max Weber und die Vielfalt der Moderne“, in: Thomas Schwinn/Gert Albert (Hg.), Alte Begriffe – Neue Probleme. Max Webers Soziologie im Lichte aktueller Herausforderungen. Tübingen: Mohr Siebeck 2016.
  • “Globalisation and regional variety: problems of theorisation”, in: Jürgen Schriewer (ed.), World Culture Re-Contextualised. Meaning constellations and path-dependencies in comparative and international education research, Routledge 2016, S. 119-137.
  • „Multiple Modernities. Überlegungen im Anschluss an Max Weber“, in: Transit 46 (2015), S. 24-44.
  • „Aspekte und Probleme eines pluralen Moderne-Verständnisses“, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 38, Heft 4 (2013). VS-Springer, S. 333-354. DOI 10.1007/s11614-013-0106-2.
  • „Zur Neubestimmung des Verhältnisses von Religion und Moderne. Säkularisierung, Differenzierung und multiple Modernitäten“, in: Christof Wolf und Matthias König (Hrsg.), Religion und Gesellschaft. Sonderheft 53 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65, Heft 1 (2013). Wiesbaden: VS-Springer, S. 73–97. DOI 10.1007/s11577-013-0219-4.
  • „Von der okzidentalen Moderne zur multiplen Moderne?“, in: Hans-Peter Müller und Steffen Sigmund (Hg.), Max-Weber-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, Stuttgart/Weimar 2014, S. 349-354.
  • „Multiple Modernities: Konkurrierende Thesen und offene Fragen. Ein Literaturbericht in konstruktiver Absicht“, in: Zeitschrift für Soziologie 38, Heft 6 (2009), S. 454-456.
  • (Hg.) „Die Vielfalt und die Einheit der Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analysen.“ Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006; darin vom Herausgeber: Die Vielfalt und die Einheit der Moderne. Perspektiven und Probleme eines Forschungsprogramms, S. 7-34.
  • „Konvergenz, Divergenz oder Hybridisierung? Voraussetzungen und Erscheinungsformen von Weltkultur“, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 58 (2006), S. 201-232.
  • „Weltgesellschaft, multiple Moderne und die Herausforderungen für die soziologische Theorie“, in: Bettina Heintz, Richard Münch und Hartmann Tyrell (Hg.), Weltgesellschaft. Theoretische Zugänge und empirische Problemlagen. Sonderheft der Zeitschrift für Soziologie, Stuttgart: Lucius: 2005, S. 205 - 222.
  • „Kulturvergleich in der globalisierten Moderne“, in: Gert Albert et al. (Hg.), Das Weber-Paradigma. Studien zur Weiterentwicklung von Max Webers Forschungsprogramm, Tübingen: Mohr (Siebeck) 2003, S. 301 - 327.

Differenzierungstheorie und soziale Ungleichheit

In diesem Forschungsschwerpunkt steht die Verknüpfung der zwei großen Theorietraditionen der Soziologie zur makrosozialen Beschreibung und Erklärung gesellschaftlicher Grundstrukturen im Mittelpunkt: Differenzierungstheorien und Ungleichheitstheorien. Beide laufen bisher weitgehend beziehungslos nebeneinander her. Um diesen theoretisch wie empirisch unbefriedigenden Zustand zu überwinden, wird in den folgend aufgeführten Arbeiten nach konzeptuellen Brücken und Verknüpfungen gesucht. Mit einer solchen Kombination der beiden makrosozialen Grundachsen der Gesellschaft lassen sich viele Themen- und Problemfelder adäquater analysieren als mit nur einer Strukturdimension: etwa Fragen der Plan- und Steuerbarkeit moderner Gesellschaften, sozialer Ungleichheit und sozialer Integration; die Entwicklung von globalen Strukturen sozialer Ungleichheit.

Unter anderem ist von Prof. Schwinn dazu in den letzten Jahren erschienen:

  • „Kritik der Meritokratie“, in: Soziale Systeme 19 (2015), S. 184-193.
  • „Zu Uwe Schimanks Versuch einer integrativen Theorie der modernen Gesellschaft“, in: Zeitschrift für Theoretische Soziologie 4 (2015), S. 275-283.
  • „Soziale Milieus: Varianten und Entstehungsbedingungen“, in: Peter Isenböck, Linda Nell, Joachim Renn (Hrsg.): Die Form des Milieus. Zum Verhältnis gesellschaftlicher Differenzierung und Formen der Vergemeinschaftung. 1. Sonderband der Zeitschrift für Theoretische Soziologie. Weinheim: Beltz-Juventa 2014, S. 150-167.
  • „Soziale Differenzierung. Handlungstheoretische Zugänge in der Diskussion“ (hrsg. zusammen mit Clemens Kroneberg und Jens Greve). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011, darin vom Autor: „Von starken und schwachen Gesellschaftsbegriffen. Verfallsstufen eines traditionsreichen Konzepts“, S. 27-44, „Zum Verhältnis von Differenzierungs­und Ungleichheitstheorie auf globaler Ebene“, S. 399-419, und „Perspektiven der neueren Differenzierungstheorie“, S. 421-432.
  • „Wirtschaftssoziologie als Gesellschaftstheorie? Kritische Anfragen aus einer Weberschen Perspektive“, in: Andrea Maurer (Hg.): Wirtschaftssoziologie nach Max Weber. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010, S. 199-225.
  • „Nationale und globale Ungleichheit“, in: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008), S. 8-31.
  • „Staatliche Ordnung und moderne Sozialintegration“, in: Peter Imbusch (Wilhelm Heitmeyer (Hg.), Integration - Desintegration. Ein Reader zur Ordnungsproblematik moderner Gesellschaften. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, S. 469-490.
  • „Ist Geschlecht ein soziologischer Grundbegriff? Ansprüche und Grenzen der Gender- und Frauenforschung“, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 33 (2008), S. 28-44.
  • „Klasse, Ethnie und Geschlecht: Konstellationen sozialer Ungleichheit“, in: Cornelia Klinger und Gudrun-Axeli Knapp (Hrsg.), Achsen der Ungleichheit - Achsen der Differenz. Verhältnisbestimmungen von Klasse, Geschlecht, „Rasse“/Ethnizität. Frankfurt/New York: Campus 2007, S. 271-286.
  • Soziale Ungleichheit, Bielefeld: transcript 2007.
  • „Differenzierung und soziale Ungleichheit. Die zwei Soziologien und ihre Verknüpfung“, Frankfurt a. M. 2004, 2. Aufl. 2004, darin vom Herausgeber: „Institutioneile Differenzierung und soziale Ungleichheit. Die zwei Soziologien und ihre Verknüpfung“, S. 9-68; „Ständische Verhältnisse und Ordnungsbildung vom Mittelalter bis in die Neuzeit“, S. 71-102.
  • „Differenzierung und soziale Integration. Wider eine systemtheoretisch halbierte soziologische Theorie“, in: Hans-Joachim Giegel und Uwe Schimank (Hg.), Beobachter der Moderne. Beiträge zu Niklas Luhmanns „Die Gesellschaft der Gesellschaft", Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003, S. 231-260
  • Differenzierung ohne Gesellschaft. Umstellung eines soziologischen Konzepts, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2001.

Publikationen

Die Liste aller Publikationen ist zu finden in heiBIB: http://katalog.ub.uni-heidelberg.de/profil/128832053

Curriculum vitae

  • 1981  - 1987: Studium der Soziologie und Politischen Wissenschaft an der Universitaet Heidelberg
  • 1992: Promotion zum Dr. phil. an der Universitaet Heidelberg
  • 1999: Habilitation fuer das Fach Soziologie an der Universitaet Heidelberg
  • 11/1987  - 3/1989: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg
  • 4/1989  - 3/1993: Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg
  • 4/1993  - 3/1999: Wissenschaftlicher Assistent (C1-Beamter auf Zeit) am Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg
  • 10/1999  - 3/2000: Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg
  • 4/2000  - 9/2003: Oberassisent (C2-Beamter auf Zeit) am Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg
  • 10/2003  - 6/2006: C4-Professor an der Katholischen Universitaet Eichstaett-Ingolstadt (Lehrstuhl fuer Soziologie I: Allgemeine und Theoretische Soziologie)
  • 7/2006  - 8/2008: W3-Professor für Soziologie an der Katholischen Universitaet Eichstaett-Ingolstadt (Lehrstuhl fuer Soziologie I)
  • seit 1.9.2008: W3-Professor am Max Weber-Institut für Soziologie der Universitaet Heidelberg (Professur für Allgemeine Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorie)

Besondere Tätigkeiten

  • Seit 2014: Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
  • Seit 2010: Mitherausgeber der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.
  • Seit 2009: Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift für Soziologie.
  • 2014/2015: Fellow des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg.
  • Gutachter der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (Anneliese Maier-Forschungspreis),
    der Max-Planck-Gesellschaft (Max-Planck-Forschungspreis),
    der Deutschen Forschungsgemeinschaft,
    der Baden-Württemberg Stiftung (Eliteprogramm),
    der VolkswagenStiftung (Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft).

Evaluationen und Auszeichnungen

  • Die vom Wissenschaftsrat eingesetzte Expertenkommission „Soziologie“ hat die Forschungs- und Publikationstätigkeit von Prof. Dr. Thomas Schwinn in einem ausführlichen Evaluationsverfahren mit „sehr gut" bewertet.
  • Award of Excellence in World Society Research 2008 der World Society Foundation (International Sociological Association) für den Artikel „Global Inequality beyond the Nation State?“, deutsche Version erschienen in: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008), S. 8-31.
  • Dritter Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 2001: „Staatliche Ordnung und moderne Sozialintegration”, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 53 (2001), S. 211-232.
  • Nominierung für den Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 1998: „Soziale Ungleichheit und funktionale Differenzierung: Wiederaufnahme einer Diskussion“, in: Zeitschrift für Soziologie 27 (1998),
    S. 3-17.
  • Nominierung für den Preis der Fritz Thyssen Stiftung für die besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsätze des Jahrgangs 1997: „Die Entstehung neuer Ordnungen im antiken Griechenland. Eine struktur- und akteurtheoretische Analyse“, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 49 (1997), S. 391-409.

Lehrveranstaltungen

Die aktuellen Lehrveranstaltungen finden Sie hier.