Religionssoziologie und die umstrittene Säkularisierungsthese

Eine aktuelle Herausforderung erfährt die Webersche Religionssoziologie durch die Kontroverse um die Gültigkeit der Säkularisierungsthese. Hier wird vor allem die für Weber so zentrale Entzauberungsannahme in Frage gestellt. Dabei wird nicht nur die Rolle von Religion bei der historischen Genese der Moderne neu thematisiert, sondern auch ihre heutige Bedeutung kontrovers eingeschätzt. Entgegen Webers Annahme muss man davon ausgehen, dass die kulturellen Erbschaften der Weltreligionen ihren Einfluss auf die Ausformungen verschiedener Varianten von Modernität im Globalisierungsprozess nicht völlig verlieren. Professor Thomas Schwinn aktualisiert Webers Religionssoziologie in Auseinandersetzung mit neueren religionssoziologischen Ansätzen.

Literaturempfehlungen:

  • Schwinn, Th.: Paths to Modernity and the Secularization Issue, in: Analyse & Kritik 39 (2017), S. 357-372.
  • Schwinn, Th.: Von der vergleichenden Religionssoziologie zur vergleichenden politischen Soziologie. Max Weber und die Vielfalt der Moderne, in: Thomas Schwinn/Gert Albert (Hg.), Alte Begriffe - Neue Probleme. Max Webers Soziologie im Lichte aktueller Problemstellungen. Tübingen: Mohr Siebeck 2016, S. 421-445.
  • Schwinn, Th.: Modernisierungsvarianten und religiöse Verhältnisse, in: Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung (2015), S. 405-421.
  • Schwinn, Th.: Zur Neubestimmung des Verhältnisses von Religion und Moderne. Säkularisierung, Differenzierung und multiple Modernitäten, in: Christof Wolf/Matthias König (Hg.), Religion und Gesellschaft (KZfSS-Sonderheft 53). Wiesbaden: Springer VS 2013, S. 73-97.
  • Schluchter, W.: Die Entzauberung der Welt. Sechs Studien zu Max Weber. Tübingen: Mohr Siebeck 2009.
  • Bienfait, A.: (Hg.): Religionen verstehen. Zur Aktualität von Max Webers Religionssoziologie. Wiesbaden: VS Verlag 2011.