MRA: Regelabweichungen und präventive Handlungskonstellationen (FoF 4)

Wie lassen sich Regelabweichungen in und durch Organisationen in systemrelevanten Bereichen erklären und präventiv verhindern? Organisationen wie z. B. Unternehmen, Krankenhäuser und Verwaltungen werden mit einer zunehmenden Fülle von Regeln, Statuten und Gesetzen konfrontiert. Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Ansprüche an ihre „selbstorganisierte“ Compliance und Moral. Offensichtlich bleiben jedoch die Möglichkeiten von Institutionen und Organisationen, Compliance herzustellen und Gesetze kontinuierlich einzuhalten, vor diesen Erwartungen zurück. Dies lässt sich an der ebenfalls wachsenden Anzahl an Gerichtsverfahren und öffentlichen Skandalen erkennen. Aus diesen Beobachtungen folgt die Vermutung, dass der weitere Ausbau von Regeln und Sanktionen nicht zielführend sein könnte und dass stattdessen die Frage in den Fokus rücken muss, wo genau auf den verschiedenen Ebenen (der Institutionen, Organisationen und Individuen) die Hindernisse zu finden sind, die der Compliance entgegenstehen und welche Möglichkeiten es gibt, diese Hindernisse zu überwinden.

Um diese Fragen zu beantworten, haben Wissenschaftler/innen der Universität Heidelberg eine interdisziplinäre Forschungsgruppe ins Leben gerufen. Das Projekt „Regelabweichungen und präventive Handlungskonstellationen“ (Field of Focus 4) wird evidenzbasiert vorgehen, um einen Grundstock an wissenschaftlich fundiertem Wissen zur Effektivität präventiver Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Vier Fächer aus zwei Fakultäten stehen im Zentrum dieser interdisziplinären Zusammenarbeit: Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und Rechtswissenschaft; die Zusammenarbeit mit weiteren Fächern wie beispielsweise der Psychologie oder Bildungswissenschaften ist vorgesehen.

Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Übertragung in die Praxis für uns von zentraler Bedeutung. Hierbei geht es vor allem auch um die Frage, wie man angesichts omnipräsenter kollektiver Regelbrüche präventiv tätig werden kann. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollten dementsprechend systematisch auch in konkrete Empfehlungen übersetzt werden. Das Projekt ist somit sowohl für die Wissenschaft, aber auch für die Praxis von hoher Relevanz.