Willkommen in der Wissenschaft – Forschungsorientierung von Anfang an

Am Max-Weber-Institut für Soziologie (MWI) wurde im Sommersemester 2013 unter dem Dach des Programms „Willkommen in der Wissenschaft“ ein neues forschungsorientiertes Lehrkonzept entwickelt und eingeführt. Das Konzept zur Stärkung der Forschungsorientierung in der Studieneingangsphase wurde über den gesamten Zeitraum des universitätsweiten Projekts bis März 2016 gefördert und schrittweise ausgebaut. Mit Auslaufen des Universitätsprojektes zum Ende des WS 2015-16 endete zunächst auch die zu diesem Zeitpunkt dritte Durchführung der Lehrveranstaltung „Willkommen in der Wissenschaft. Forschungsorientierung von Anfang an!“. Zurzeit wird an der Implementierung der Veranstaltung in das Curriculum des Bachelorstudiengangs gearbeitet.

 

Zum Hintergrund

Die Universität Heidelberg erfährt aus dem Innovations- und Qualitätsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg Unterstützung bei der Entwicklung und Implementierung von Lehrkonzepten, die neue Formen des Zugangs zu Forschungsprozessen ermöglichen. Ziel ist es, die eigene Forschungsstärke in noch höherem Maße auf die Lehre zu übertragen. Universitätsweit wurden nach erfolgreichem Abschluss eines Antragsverfahrens Projekte gefördert, die Studierenden ab Studienbeginn praxisnahe Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten ermöglichen. Seit Beginn des Förderprogramms beteiligt und in jeder der drei Föderrunden erfolgreich, konnten die beiden Projektleiter Stefan Bär und Sebastian Starystach bisher Mittel in Höhe von 27.000 € für ihr Projekt akquirieren und der maximalen Fördersumme entspricht.

Das Vorhaben der Projektleiter war dem Ziel verpflichtet, Studierende von Beginn des Studiums an mit Fragen sozialwissenschaftlicher Forschung vertraut zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst forschend zu lernen. Schon bei der Konzepterstellung des Seminars im Sommersemester 2013 waren Studierende beteiligt. Einige von ihnen wurden im Anschluss zu Tutorinnen/Tutoren ausgebildet, um die dann folgenden mitkonzipierten Veranstaltungen zu betreuen. Die Zusammenarbeit mit Studierenden und die Zuhilfenahme von Beratungsleistungen des Hochschuldidaktischen Zentrums bildeten die Grundlage des eigentlichen Seminars, das im Wintersemester 2015-16 zum dritten Mal durchgeführt wurde.

Das Projekt wurde aufgrund seiner besonderen Förderungswürdigkeit gemeinsam mit Mitarbeitern der Abteilung Schlüsselkompetenzen Hochschuldidaktik von den Seminarleitern beim „Forum Nachhaltige Lehre“ als richtungweisendes Beispiel für forschungsorientierte Lehre an der Universität Heidelberg vorgestellt. Auf dem Forum wurden insgesamt 31 Projekte aus „Willkommen in der Wissenschaft“ aus ganz Baden-Württemberg präsentiert. Die Tagung erörterte Perspektiven für eine flexible Studienstruktur und aktivierendes Lehren.

 

Das Lehr-Lern-Konzept im Überblick

Die Lehrveranstaltung „Willkommen in der Wissenschaft – Forschungsorientierung von Anfang an“ gliedert sich in drei Teile. Einen einführenden Überblick über die Soziologie als wissenschaftliche Disziplin vermittelnd, widmet sich die erste Phase der grundlegenden Unterscheidung von Alltagswissen und wissenschaftlichem Wissen, das im Rahmen soziologischer Forschung erarbeitet wird. Die TeilnehmerInnen verschaffen sich gemeinsam ein Bild des breiten Forschungsspektrums der Soziologie und grenzen es gegenüber anderen Disziplinen ab. Darauf aufbauend lernen sie, erste eigene soziologisch relevante Fragestellungen zu formulieren und zentrale Methoden der empirischen Sozialforschung zu erkunden. Hier können Verbindungen zu den Vorlesungen Einführung in die Soziologie, Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung und Vergleichende Sozialstrukturanalyse hergestellt werden.

In Vorgriff auf das im Zentrum der Veranstaltung stehende Planspiel dient die zweite Phase der Vorstellung des Spielverlaufs sowie der im Spiel beinhalteten Rollen. Da das Planspiel die Simulation eines echten Forschungsprozesses repräsentiert, werden zudem mögliche methodische Herangehensweisen diskutiert und zentrale Elemente des soziologischen Forschungsablaufs vorgestellt. Das Planspiel selbst bietet die Möglichkeit, den Teilnehmenden Ablauf, Herausforderungen und auch Schwierigkeiten eines Forschungsprozesses an einem konkreten Beispiel zu vermitteln und stellt für die Studierenden somit eine Lernumgebung bereit, um problem- und erfahrungsorientiert zu lernen:

Ausgehend von einem vorgegebenen Forschungsthema, schließen sich die Studierenden in Kleingruppen zusammen, um das Thema, z. B. Gesundheitsverhalten im öffentlichen Raum,  arbeitsteilig zu untersuchen. Dafür übernehmen sie vordefinierte Rollen; angefangen bei der Projektleitung, über wissenschaftliche Mitarbeiter, bis hin zu Hilfskräften. Die Tutorinnen/Tutoren und die Seminarleitung stehen den gesamten Simulationszeitraum über beratend zur Seite, stellen mit Fragebögen, Kameras, Aufnahmegeräten, ausgewählter Literatur sowie Arbeitsplätzen jedoch auch die notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung und supervidieren im Anschluss die Studierenden.

Neben dem Durchlaufen eines Forschungsprozesses steht in der Dritten Phase auch der Blick auf die tatsächliche Forschung am Max-Weber-Institut im Vordergrund. Dabei finden von den TutorInnen selbst gedrehte Videos Verwendung. In ihnen äußern sich ProfessorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen des Instituts zu ihrem persönlichen Zugang zur Soziologie, Besonderheiten des Forschungsprozesses sowie zu ihrer aktuellen Forschung.

Aus den Video-Interviews der Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern sowie den gesammelten Dokumenten und Ergebnissen der bereits abgeschlossenen Projektphasen wurde zudem eine E-Learning-Selbstlerneinheit entwickelt und im WS 2015-16 mit Erfolg erprobt. Voraussichtlich ab dem Wintersemester 2016-17 wird diese zusammen mit dem Planspiel als einführende Lehrveranstaltung für Erstsemesterstudierende angeboten. Ziel ist dabei, Planspiel und E-Learning-Selbstlernkurs derart mit der Präsenzlehre zu verbinden, dass das Lehrkonzept „Willkommen in der Wissenschaft“ in Zukunft sowohl unabhängig von konkreten Lehrpersonen als auch mit geringem finanziellen Aufwand angeboten werden kann. Schließlich soll die E-Learning-Selbstlerneinheit auch unabhängig von stattfindenden Lehrveranstaltungen jederzeit frei für Studierende zugänglich sein, um Interessierten am Fach und dessen Forschungsperspektiven auch ohne konkrete Teilnahme an einer Lehrveranstaltung eine Möglichkeit der eigenständigen Auseinandersetzung mit diesen Inhalten auch ohne konkrete Teilnahme an einer  Lehrveranstaltung zu bieten.

Die Veranstaltung wurde regelmäßig von den Studierenden positiv evaluiert und mit ihr verfügt das Max-Weber-Institut für Soziologie über ein neues und interaktives Instrument, um seinen Studierenden einen interessanten und forschungsnahen Einstieg in die Wissenschaft zu ermöglichen.

Herzlich willkommen!