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Kultstiftungen: Wohltat oder Fessel?

Antike Städte hatten in der Regel keinen großen Haushalt, der ihnen aus den Steuern und Abgaben von Bürger und Bewohnern ohne Bürgerrecht zur Verfügung stand. Dementsprechend waren die finanzielle Leistungsbereitschaft und wirtschaftliche Potenz individueller Bürger von zentraler Bedeutung für das Funktionieren der Gemeinwesen. Sie waren es auch, die zumeist für Kultstiftungen verantwortlich waren, indem sie dauerhaft Priesterämter finanzierten, Feste einrichteten, Opfertiere zur Verfügung stellten, den Erhalt von Tempeln sicherten. Stiftungen hatten nur dann länger Bestand, wenn sie sich aus regelmäßigen Einkünften finanzierten – Verpachtung von Land oder Vergabe von Darlehen gegen Zinsen waren dafür eine gute Basis. Wie auch immer die Stiftung im Detail aussah, sie band langfristig Ressourcen der Städte, indem all die einzelnen Vorgaben der Finanzierung und Stiftungsdetails des Zwecks durch Magistrate der Stadt umgesetzt werden mussten. Zahlreiche Sanktionen in hellenistischen und römischen Texten weisen auf verschiedenartige Nachlässigkeiten, wenn nicht Unwillen bei der Umsetzung der Stiftung durch die Verantwortlichen in den Städten hin.

Referentin

Marietta Horster ist Professorin für Alte Geschichte an der Universität Mainz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Erforschung der Verwaltung und Organisation des Römischen Reiches, der Transformationsprozesse und sozialen Interaktion in den römischen Provinzen, der Kultorganisation und Kultwirtschaft griechischer Heiligtümer sowie der griechischen und lateinischen literarischen Bildung und der Verbreitung und Überlieferung von Wissen.

Horster studierte an den Universitäten Lausanne, Bonn und Köln Alte Geschichte, Latein und Politikwissenschaft. Sie promovierte 1995 an der Universität zu Köln und habilitierte sich an der Universität Rostock 2003. Im Winter 1998/99 war sie Sterling Dow Fellow am Center for Epigraphic and Paleographical Studies der Ohio State University in Columbus, Ohio. Nach weiteren Stationen an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Hamburg trat sie 2010 die Nachfolge von Leonhard Schumacher als Professorin für Alte Geschichte an der Universität Mainz an.

Horster verfasste Monographien zu Bauinschriften und Bautätigkeiten römischer Kaiser sowie zum Landbesitz griechischer Heiligtümer in archaischer und klassischer Zeit. Sie ist Herausgeberin zahlreicher Bücher und Autorin von Aufsätzen beispielsweise zu Augustus, römischer Literatur, antiker Rollen. Seit 2016 ist sie zudem Senior Fellow am Maimonides Centre for Advanced Studies in Hamburg.

KONTAKT

Koordinatorin Thematic Research Network

Dr. Gudrun-Christine Schimpf
E-Mail: gudrun.schimpf@csi.uni-heidelberg.de
Tel.: +49 (0) 6221 54 - 119 85

 

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