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Eine seltsame Freundlichkeit: Großzügigkeit und Lernen im Zeitalter des kolonialen Kapitals

Die Philanthropie im Bildungsbereich hat in Indien in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt und steht in Konkurrenz zu anderen beliebten Bereichen des wohltätigen Engagements. In diesem Vortrag verfolge ich die Wurzeln dieser folgenreichen Entwicklung bis in die Kolonialzeit zurück, als die "englische Bildung" weithin als herausragendes "Geschenk" der Briten an ihr riesiges Reich angepriesen wurde. Bemerkenswerterweise wurde das so genannte britische Geschenk jedoch von Anfang an kritisch durch monetäre Beiträge der "Einheimischen" ergänzt, trotz des wachsenden kolonialen Würgegriffs über Macht und Kapital. In der Tat wären die wichtigsten Bildungseinrichtungen in Britisch-Indien ohne indisches Kapital und indische Initiative sicherlich nicht entstanden. In Britisch-Indien entwickelte sich somit frühzeitig das, was zum globalen Phänomen der "öffentlich-privaten Partnerschaft" in der Bildungsphilanthropie werden sollte. Gleichzeitig argumentiere ich, dass das Spenden für weltliche Bildung unter wohlhabenden Indern selbst die Praxis einer "seltsamen Freundlichkeit" war. Bis zur Ankunft der kolonialen Moderne war das Lernen in Indien weitgehend auf die Elite bestimmter Kasten und Gemeinschaften beschränkt, und es war selten von sakralen und theologischen Zielen losgelöst. Solches Lernen stand auch im Mittelpunkt des elitären Spendenwesens, das seinerseits als religiöse Verpflichtung und damit auch als Mittel zur Erlangung jenseitiger Verdienste angesehen wurde. Als jedoch unter dem Druck der kapitalistischen kolonialen Moderne und der antikolonialen Politik "öffentliche Bildung" als notwendiges Gut diskutiert wurde, kam es zu einer entsprechenden Verschiebung in der philanthropischen Praxis, bei der die säkulare Bildung zunehmend die Phantasie der Spender beflügelte, die ihr Wohlwollen auf den Unterricht von völlig Fremden richteten. Heute wird die Bildung häufig als wichtigster Spendenschwerpunkt wohlhabender Inder genannt. Für die Spender und ihre Empfänger in den Jahrhunderten der indischen Kolonialherrschaft wäre dies in der Tat ein sehr seltsamer Gedanke gewesen. Doch eine solche Verschiebung hat entscheidende Konsequenzen, die sich in der größten Demokratie der Welt noch immer entfalten. Der Vortrag wird auf Englisch sein.

Referentin

Sumathi Ramaswamy ist James B. Duke-Professorin für Geschichte und international vergleichende Studien und Vorsitzende des Fachbereichs für Geschichte an der Duke University in Durham, North Carolina, USA. Sie hat zahlreiche Publikationen zu den Themen Sprachpolitik, Gender Studies, Raumforschung und Geschichte der Kartografie, Visual Studies und moderne Kunstgeschichte sowie in jüngster Zeit zu digitalen Geisteswissenschaften und der Geschichte der Philanthropie veröffentlicht. Sie ist Mitbegründerin (zusammen mit Christiane Brosius von der Universität Heidelberg) von Tasveerghar: A Digital Network of South Asian Popular Visual Culture (www.tasveerghar.net). Als Empfängerin eines Anneliese Maier-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung (2016-2021) hat sie Gandhi in the Gallery: The Art of Disobedience (New Delhi: Roli Books) und das digitale Projekt B is for Bapu: Gandhi in the Art of the Child in Modern India (https://sites.duke.edu/bisforbapu/ ) veröffentlicht und ist zusammen mit Monica Juneja von der Universität Heidelberg Mitherausgeberin von Motherland: Pushpamala N.'s Woman and Nation (Neu-Delhi: Roli Books, erscheint im Jahr 2021). Derzeit arbeitet sie an einem neuen Projekt über Bildungsphilanthropie in Britisch-Indien.

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