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Die Philosophie des Gemeinwohls und die Bewahrung des kulturellen Erbes: Eine Perspektive aus der islamischen Rechtsprechung zu Waqf-Stiftungen

 

Aus der Perspektive der islamischen Rechtsprechung in Bezug auf die Rolle von Waqf-Stiftungen in der Gesellschaft wird in diesem Vortrag das Thema des Gemeinwohls im Zusammenspiel mit der Idee der Bewahrung des kulturellen Erbes untersucht.

Unter diesem Gesichtspunkt haben islamische Religionsgelehrte aller Schulen und Richtungen von den frühen islamischen Jahrhunderten bis heute Rechtsprechung und Rechtstheorien zu diesem Thema verfasst (Beispiele für letztere finden sich in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Malayia und anderen muslimischen Mehrheitsregionen). Schriften dieser Art wurden auch von Gelehrten anderer Religionsgemeinschaften innerhalb der islamischen Länder, den dâr al-islâm, verfasst, etwa von jüdischen, christlichen, ibadischen und drusischen religiösen Autoritäten, die über die Absichten von Einzelpersonen innerhalb ihrer Gemeinschaften theoretisierten, als sie ihre Stiftungen zur Unterstützung religiöser, öffentlicher und privater Ziele schufen, von denen einige die Unterstützung eines Systems des Gemeinwohls und die Erhaltung kultureller Räume beinhalteten.

Obwohl sich diese Präsentation auf die Untersuchung der Überschneidung zwischen dem Gemeinwohl und der Bewahrung des kulturellen Erbes im Bereich des Waqf konzentriert, insbesondere auf der Grundlage islamisch-sunnitischer religiöser Schriften, sollte die vergleichende Perspektive mit Bezug auf die oben genannten Religionsgemeinschaften ebenso im Auge behalten werden wie eine, die diese Frage über Stiftungen und ähnliche Strukturen, die anderswo auf globaler Ebene geschaffen wurden, vergleicht.

Zu diesem Zweck werden mehrere Werke der Gattung ahkâm al-awqâf (Urteile über Waqfs) von islamisch-sunnitischen Gelehrten untersucht, die in den frühen islamischen Jahrhunderten bis in die Gegenwart über das Thema der Waqf-Stiftungen geschrieben haben. Die Frage wird an Ort und Stelle untersucht, indem die Auslegung der Rechtsgelehrten in Bezug auf die Überschneidung des Gemeinwohls - ob implizit oder explizit als maṣlaḥa 'âmma bezeichnet - als Mittel des sozialen Zusammenhalts mit dem waqf als Mittel zur Erhaltung des kulturellen Erbes, ob öffentlich oder privat ("waqf ist das Element, das die Gesellschaft zusammenhält"), betrachtet wird.

 

Referentin

Randi Deguilhem, Fulbright-Hays-Empfängerin, ist Professorin (Direktorin der Recherche, PhD, HdR) beim CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung). Sie ist Mitglied von TELEMMe-MMSH, Aix Marseille U. (AMU), Aix-en-Provence, Frankreich. Seit 1998 leitet sie hier Seminare für Hochschulabsolventen und hat mehr als 20 Dissertationen betreut. Als Historikerin des modernen und zeitgenössischen Nahen Ostens und der islamischen Welt konzentriert sich ihre Forschung auf Syrien im Rahmen einer vergleichenden und interdisziplinären Perspektive. Ihre Arbeit umfasst systematisch den Longue-Durée-Ansatz, wobei sie sich auf die institutionelle Geschichte und das islamische, gewohnheitsrechtliche und staatliche Recht der Waqf-Stiftungen spezialisiert hat, wie sie sich während der osmanischen, der Mandats- und der unabhängigen Zeit in Syrien entwickelt und verändert haben. Sie forscht und publiziert auch über die Bildungssysteme in der Tanzimat- und Post-Tanzimat-Ära des Osmanischen Reiches sowie über die Schulen der Mission Laïque in Großsyrien. Die Analyse der Geschlechterverhältnisse in diesen Bereichen bildet einen wichtigen Schwerpunkt, ebenso wie in ihrer Arbeit über die nahda und nahda-inspirierte Bewegungen in der Region. Sie hat 10 Bücher mit mehreren Autoren und etwa 50 Buchkapitel und Artikel veröffentlicht.

Im Jahr 2012 gründete und leitet sie das internationale Forschungsnetzwerk (GDRI) WAQF Fondations mit dem CNRS (IISMM-EHESS, TELEMMe) und Universitätspartnern in Algerien, Japan, Malaysia, Palästina, Tunesien und den VAE. In diesem Zusammenhang hat sie ein Seminar über Waqf am IISMM-EHESS in Paris ins Leben gerufen und leitet es.

Von 2014-20 war sie Mitbegründerin und Leiterin des AMU-Netzwerks GenderMed: Thinking Gender in the Mediterranean, das institutionelle Verbindungen zu lokalen und internationalen Partnern aufbaute.  Sie gehört mehreren Beiräten internationaler Programme (z. B. PIMo / Entangled Histories of the Mediterranean, EU COST, Brüssel) und Zeitschriften (z. B. Endowment Studies, Brill, Leiden) an. Sie ist Herausgeberin von HAWWA: Journal of Women of the Middle East and the Islamic World, Brill und ist Mitherausgeberin der Reihe Gender & Islam bei Bloomsbury / IB Tauris, London.

 

KONTAKT

Koordinatorin Thematic Research Network

Dr. Gudrun-Christine Schimpf
E-Mail: gudrun.schimpf@csi.uni-heidelberg.de
Tel.: +49 (0) 6221 54 - 119 85

 

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