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Der Pyramidenkomplex von Sahura: Neue Perspektiven auf die Wirtschaft des Alten Reiches

Das alte Ägypten ist eine der faszinierendsten und archetypischsten Kulturen der antiken Geschichte. Der Hauptgrund für seine herausragenden Errungenschaften war eine sehr effiziente, leistungsfähige Wirtschaft, die in der Lage war, die Produktion und Verteilung riesiger Mengen von Gütern zu bewältigen, die entsprechend den Bedürfnissen einer komplexen Kultur beschafft werden mussten.
Der frühe altägyptische Staat kann als ein stark zentralisierter, komplexer, politischer und kultureller Organismus beschrieben werden, der auf mehreren Ebenen agierte, mit dem König an der Spitze und seinen engsten Beamten als seinen Assistenten. Der Staat war (im Namen des Königs) für die Beschaffung der Ressourcen zur Unterstützung des königlichen Hofes und seiner Projekte zuständig. Groß angelegte Bauvorhaben waren das wichtigste Ergebnis der staatlichen Verwaltung, darunter nicht nur die landwirtschaftlichen Aktivitäten, sondern auch einige "unrentable" ideologisch bedingte Projekte wie der Bau der monumentalen Königsgräber.
Einen besonderen Typus staatlicher Einrichtungen, der im Wirtschaftssystem des Alten Reiches eine wichtige Rolle spielte, stellten die so genannten königlichen Bestattungsdomänen dar. Diese Domänen wurden ursprünglich von Königen gegründet, um u.a. die Bauarbeiter seiner Pyramiden und anderer königlicher Bauprojekte sowie Priester und Diener für den Kult des verstorbenen Herrschers zu versorgen. Die Stiftungen der königlichen Begräbnisstätten spielten auch eine wichtige Rolle bei der Integration des Landes, der Entwicklung seiner Infrastruktur und der Konsolidierung seiner Zentralregierung. Sie wurden zu einem wichtigen Instrument der so genannten inneren Etablierung des nur noch sporadisch bewohnten und wirtschaftlich unerschlossenen Landes.
Der Begriff "Grabdomänen" bezeichnet ihre Personifizierung durch weibliche Opferträgerinnen, die verschiedene Waren trugen und verschiedene Tierarten führten. Vor jeder Figur stand ihr Name in Verbindung mit dem Namen des Königs, der sie gefunden hatte. Ursprünglich sind diese Szenen in königlichen Grabanlagen des Alten Reiches bezeugt, spätestens seit Beginn der Vierten Dynastie (2613-2494 v. Chr.) enthielten sie lange Sequenzen personifizierter Prozessionen der königlichen Grabdomänen des Besitzers der Anlage. Diese Szenen spielten im dekorativen Programm der Königsgräber eine sehr wichtige Rolle. Lange Prozessionen königlicher Bestattungsbereiche schmücken auch die Wände von Privatgräbern des Alten Reiches. Sie liefern uns unter anderem wertvolle Hinweise auf den Zeitraum, in dem die Domänen in Gebrauch waren.
Eine wichtige Ergänzung zu den Belegen sind die Grabstätten aus dem Dammweg von Sahura, dem zweiten König der fünften Dynastie des Alten Reiches in Abusir (2487-2475 v. Chr.). Die Reliefs kamen bei den Ausgrabungen im Pyramidenkomplex von König Sahura zum Vorschein, die 1994 begannen und von 2002 bis 2020 fortgesetzt wurden. Die Erforschung durch das Team hat bisher eine große Anzahl von Sahuras Grabdomänen in Szene gesetzt, was uns geholfen hat, neue Debatten über ihre Bedeutung, Funktion sowie ihre Position innerhalb des Systems der Wirtschaft des Alten Reiches anzustoßen.

Referent

Dr. Mohamed Ismail Khaled ist seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg und seit 2009 Generaldirektor der Abteilung für Angelegenheiten der ständigen Ausschüsse und der ausländischen Missionen im ägyptischen Ministerium für Altertümer. Seit 2013 ist er zudem Leiter der Ausgrabung in Abusir. In seine Zeit als Ausgräber fällt die Entdeckung der Abusir-Blöcke auf dem Damm von Sahura. Seit 2018 ist Mohamed Khaled zudem Leiter des DFG-Projekts "Archäologie des ägyptischen Staates und seiner Wirtschaft im 3. Jahrtausend v. Chr.: Eine neue Untersuchung des Sahurê-Aufwegs in Abusir". Die Schwerpunkte seiner Forschung sind die Verwaltung, Wirtschaft, Geographie und das Königtum des Alten Reichs sowie die Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte des pharaonischen Ägyptens.  Seine Promotion zum Thema „The Royal Funerary Domains in the Old Kingdom, New Evidence from the Causeway of the Pyramid Complex of Sahura“ hat er an der Karlsuniversität in Prag abgelegt und er erhielt 2014-2016 das Postdoktorandenstipendium der Alexander von Humboldt Stiftung an der Universität Würzburg. Von 2016 bis 2018 war Dr. Khaled Koordinator des Projekts zur Entwicklung und Verwaltung der Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.

KONTAKT

Koordinatorin Thematic Research Network

Dr. Gudrun-Christine Schimpf
E-Mail: gudrun.schimpf@csi.uni-heidelberg.de
Tel.: +49 (0) 6221 54 - 119 85

 

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