Forschungsseminar 2017/18: Organisationale Kriminalität und ihre Bekämpfung

Projekt 1: Schutz vor Kriminalität im deutschen Fußball

Regelabweichungen im Fußball gehen weit über Fouls hinaus. Auch Probleme mit randalierenden Fußballfans, Steuerhinterziehungen, Bestechungsgelder und sogar Spielmanipulationen sind längst keine Seltenheit mehr. Unter Vorfällen dieser Art leidet die Integrität des Sports ungemein. In der Öffentlichkeit und den Medien wird den Beteiligten oftmals persönliche Bereicherung als Beweggrund unterstellt. Jedoch können auch andere Motivlagen und strukturelle Ursachen eine Rolle spielen, wenn sich eine Person für eine unlautere Handlung entscheidet. Erst wenn die tatsächlichen Motive identifiziert werden, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

Ziel und Vorgehen

Im Zentrum der Forschung steht der Schutz vor Regelabweichungen. Über eine Analyse unterschiedlicher Vereinsstrukturen werden Handlungsempfehlungen zur Her­stellung von Compliance abgeleitet. Hierfür werden im Rahmen von Organisationsfallstudien Expertengesprächen mit Compliance-Managern und leitenden Personen in Fußballvereinen durchgeführt. Weiterhin sollen Schiedsrichter eines Landesverbandes zu ihren Erfahrungen und Einstellungen hinsichtlich Spielmanipulationen befragt werden. Die Ergebnisse werden anschließend den Vereinen in einer Broschüre unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Alle Daten werden nach strengsten Datenschutzvorgaben behandelt, sodass keinerlei Rückschlüsse auf Personen oder Organisationen möglich sind.

 

Projekt 2: Compliance in der deutschen Wirtschaft

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Compliance-Management-Systemen in großen und mittelständischen Wirtschaftsunternehmen in den Metropolregionen Rhein-Neckar, Stuttgart und Frankfurt. Dabei steht vor allem der Implementierungsgrad und die Maßnahmen von Compliance im Fokus der Analyse. Empirisch wird mit Organisationsfallstudien in Form von qualitativen Interviews mit Compliance-Beauftragten gearbeitet.
Die Popularität von Compliance-Programmen ist in den letzten Jahren beachtlich angestiegen. Umso spannender die Frage, warum trotz großer Verbreitung von Compliance-Management-Systemen kein Einbruch von Unternehmenskriminalität stattgefunden hat, sondern immer mehr Fälle von Regelabweichungen und -verstößen bekannt werden. Werden aufgrund der Effektivität von Compliance-Organisationen mehr Fälle von Regelverstößen aufgedeckt, die vor der Verbreitung von Compliance unentdeckt geblieben wären, oder gibt es unabhängig davon tatsächlich mehr Regelabweichungen?

Interesse der Unternehmen an Compliance-Forschung

Das Interesse der Unternehmen an Compliance-Forschung ergibt sich aus der Frage, wie Unternehmen die Regeltreue ihrer Organisation sicherstellen können. Compliance-Forschung kann einen relevanten Beitrag zum Risikomanagement leisten. Der Zugang zu aktuellen Erkenntnissen aus der Compliance-Forschung ist für Unternehmen und ihre Entscheidungsträger hilfreich, um auf empirisch fundierter Basis wirkungsvolle Maßnahmen von wenig lohnenswerten Investitionen zu unterscheiden.

Es werden ausschließlich wissenschaftliche Interessen verfolgt und das Projekt unterliegt strengen datenschutzrechtlichen Auflagen. Unseren Interviewpartnern sichern wir vollständige Anonymität zu.

Leitung
Prof. Dr. Markus Pohlmann

Team
Mario Hafner
Max Hansen
Christian Kinner
Jan Kirschmann
Sonja Linder
Max Ruf
Max Veltman

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Leitung
Prof. Dr. Markus Pohlmann

Team
Laura Krämling
Felizia Rein