Das MWI heute

Foto: Friederike Elias

Soziologie ist die Wissenschaft sozialen Handelns und seiner Wirkungen. Es ist eine theoriegeleitete, empirische Disziplin. Seit Ihren Anfängen im frühen 20. Jahrhundert ist sie zu einem hoch differenzierten Wissensgebiet mit konkurrierenden theoretischen und methodischen Ansätzen herangewachsen. Sie ist von einer zunehmenden Spezialisierung in bestimmte Anwendungsbereiche und Problemstellungen geprägt.

Das MWI vertritt in Lehre und Forschung den Kern der Disziplin als auch den intellektuellen Reichtum der speziellen Soziologien und setzt Impulse für die Entwicklung des Faches.

  • Für Studierende bietet das MWI einerseits die Chance, ein theoretisches und methodisches Grundwissen zu erlangen. Andererseits ermöglicht das Lehr- und Forschungsprofil des Instituts eine individuelle Spezialisierung in ausgewählten Themenfeldern. Ziel des Studiums ist, die „soziologische Phantasie“ (Mills 1963) der Studierenden zu kultivieren und sie zum kritischen Denken anzuregen.
  • Die Wissenschaftler am Institut bilden die Breite soziologischer Erkenntnisinteressen ab. Aus Tradition sieht sich die Heidelberger Soziologie der Pflege und der Weiterentwicklung des Werks von Max Weber verpflichtet. Die Max Weber Gesamtausgabe und der Forschungsschwerpunkt Soziologische Theorie und Institutionenlehre sind Ausdruck dieses gelebten intellektuellen Erbes. Um diesen Kern positionieren sich als Schwerpunkte wesentliche soziologische Wissensgebiete und entsprechende Methoden: die Sozialstrukturanalyse die vergleichende Soziologie die Organisationssoziologie  und die politische Soziologie . Weitere Forschungsthemen sind die Drittsektorforschung, die Kultursoziologie, Korruptionsthemen, Kriminalsoziologie  sowie Globalisierungsprozesse.

Die Soziologische Theorie wird vertreten durch Thomas Schwinn. Die Weiterentwicklung von Max Webers Soziologie steht im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Grundlagentheoretische Fragen einer Weberianischen Soziologie werden im Auseinandersetzung mit aktuellen Theorieströmungen expliziert. Sozialtheoretische Fragen betreffen einmal aktuelle gesellschaftstheoretische Anstrengungen, Differenzierungs- und Ungleichheitstheorien zu integrieren. Zum anderen arbeitet Thomas Schwinn an der Weiterentwicklung von Webers Perspektive auf die Moderne.

Der Lehr- und Forschungsbereich Sozialstrukturanalyse unter der Leitung von Thomas Klein betrifft viele Teilbereiche der Gesellschaft. Dazu gehören insbesondere die demographische Entwicklung, Haushalts- und Familienstrukturen sowie soziale Ungleichheit, speziell in Bezug auf Bildung, Erwerbstätigkeit und Einkommensverteilung. In der Forschung liegen die Schwerpunkte von Thomas Klein auf Gesundheit und Lebenserwartung, Migration, Alter, Geburtenentwicklung sowie Partnerwahl und Beziehungsstabilität.

Die Politische Soziologie, vertreten durch Kathia Serrano Velarde, setzt den Fokus auf interdisziplinäre und international vergleichende Analyseansätze zur Erforschung drei zentraler Themengebiete: Diskursive Formen politischen und organisationalen Handelns, partizipative Politikformen und bürgerschaftliches Engagement, Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Die Arbeiten zeichnen sich durch einen qualitativ-quantitativen Methodenmix aus.

Im Lehr- und Forschungsbereich Organisationssoziologie führt Markus Pohlmann wirtschafts-, organisations- und industriesoziologische Studien durch, die sowohl quantitative als auch qualitative Vorgehensweisen miteinschließen. Diese orientieren sich an einem handlungs- und strukturtheoretischen Ansatz mit besonderem Bezug zur Institutionenanalyse und adressieren dabei mehrere Ebenen.

Die vergleichende Makrosoziologie ist das Spezialgebiet von Helmut Anheier. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten befasst er sich mit der Untersuchung institutionellen und organisationalen Handelns im so genannten „Dritten Sektor“ (Zivilgesellschaft und Assoziationswesen). Ziel ist es, auf der Grundlage empirischer Regularitäten überprüfbare Hypothesen zu formulieren, um sozialen Wandel im internationalen Vergleich zu erfassen und zu erklären.