Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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VII. Global Institutional Development

Der Forschungsbereich von Prof. Dr. Thomas Kern beschäftigt sich mit dem politischen, kulturellen und religiösen Wandel von Gesellschaften im Kontext der Globalisierung.
Der Schwerpunkt liegt auf der historisch und kulturell vergleichenden Analyse von sozialen Bewegungen, Demokratisierungsprozessen und der Entstehung transnationaler zivilgesellschaftlicher Netzwerke. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fähigkeit individueller und kollektiver Akteure, durch kreatives Handeln Neues hervorzubringen und auf diese Weise den gesellschaftlichen Wandel zu beeinflussen. Im Zentrum der Forschungsarbeit stehen vor allem Transformationsprozesse in Ostasien, Westeuropa und Nordamerika.

DoktorandInnen des Lehrstuhls:

  • Thomas Laux
  • Daniele Neumann
  • Lucy Pelliza
  • Ute Sachsenröder
  Leitung: Prof. Dr. Thomas Kern
  Mitarbeiter: Dipl.-Soz. Judith Czepek
Dr. Bettina Heiss
Dr. Alexander Ruser
Ute Sachsenröder, M.A.
  Weitere Mitglieder: Janina Effelsberg
Daniela Neumann
  Forschungsschwerpunkte: 1. Weshalb sind Megakirchen attraktiv? Kulturelle Reproduktion und Netzwerkstrukturen einer neuen kirchlichen Organisationsform in den USA

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Kirchenlandschaft in den USA durch die rapide Ausbreitung von Megakirchen nachhaltig verändert. Megakirchen sind evangelikale Einzelgemeinden, deren Gottesdienste regelmäßig von mindestens 2.000 Gläubigen besucht werden. Die Studie beschäftigt sich mit der Frage, weshalb sich immer mehr Menschen in den USA diesen Megakirchen anschließen. Ausgehend von der Annahme, dass das Wachstum religiöser Organisationen auf erfolgreicher Ressourcenmobilisierung beruht, konzentriert sich die Studie auf die soziale Nische von Megakirchen. Diese setzt sich aus drei Komponenten zusammen: (1) einem Netzwerk von Organisationen, mit denen die Gemeinde in Beziehung steht, (2) einem Netzwerk von Mitgliedern, die ihre Ressourcen in die Megakirche einbringen, und (3) einem semantischen Netzwerk aus Ideen, Überzeugungen, Narrativen und Symbolen, durch die sich die Megakirchen von anderen Organisationen unterscheidet. Mittels einer vergleichenden empirischen Analyse von drei Megakirchen (2.000, 5.000, 10.000 Mitglieder) und einer "durchschnittlichen" protestantischen Gemeinde werden die betreffenden Organisationsnetzwerke identifiziert, die Nutzerprofile der Mitglieder ermittelt und das semantische Netzwerk rekonstruiert, das die kulturelle Identität der Gemeinden bestimmt. Auf dieser Grundlage lassen sich die zentralen Unterschiede zwischen konventionellen Gemeinden und Megakirchen erfassen, die für das Wachstum der Megakirchen verantwortlich sind. Ein Antrag zu diesem Thema befindet sich gegenwärtig bei der DFG in Begutachtung.

 

2. Die Grenzen der Zivilgesellschaft (Graduiertenkolleg)

Das wissenschaftliche Interesse an der Diskrepanz zwischen den oft anspruchsvollen normativen Ansprüchen des Zivilgesellschaftskonzepts und konkreten Formen des Engagements hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die meisten Studien orientieren sich dabei implizit an der Unterscheidung zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Es wird gezeigt, dass das Ideal der Zivilgesellschaft seinen hohen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Welche Schlussfolgerungen aus dieser Dekonstruktion des Zivilgesellschaftskonzepts für die Sozialwissenschaften zu ziehen sind, bleibt dabei jedoch oft unklar. Im Unterschied dazu setzt das geplante Graduiertenkolleg auf einen grundlegenden Wechsel der Forschungsperspektive. Im Zentrum steht die Annahme, dass sich zivilgesellschaftliches Handeln am Eigenwert der Gesellschaftsbildung im Sinne eines Strebens nach der Verwirklichung bestimmter Leitideen des sozialen Umgangs orientiert. Das Ziel besteht darin, die Grenzen der Institutionalisierung dieses Eigenwerts  - in Konkurrenz mit ästhetischen, politischen, ökonomischen, religiösen etc. Wertbezügen - auf der Grundlage von empirischen Studien systematisch herauszuarbeiten. Im Unterschied zur einfachen Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit lassen sich auf dieser Grundlage wichtige Erkenntnisse über die immanenten Probleme zivilgesellschaftlichen Handelns gewinnen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf kulturelle Codes der Grenzziehung, strukturelle Beschränkungen und ambivalente Handlungsstrategien. Soweit aus dieser Perspektive bisher kaum Forschungsarbeiten vorliegen, ist davon auszugehen, dass von dem geplanten Graduiertenkolleg wichtige Impulse zur Weitentwicklung des Zivilgesellschaftskonzepts ausgehen.

 

3. Der Einfluss von Think-Tanks auf die Umweltpolitik. Eine kulturverglei-chende Studie am Beispiel der USA, Deutschlands, Japans und Südkoreas.

Der Forschungsschwerpunkt thematisiert den Wandel politischer Kommunikationsstrukturen in komparativer Perspektive. Im Mittelpunkt steht die Analyse der Intensivierung und des Wandels von Einflüssen organisierter Ideenagenturen (sog. "Think Tanks") im Bereich der Umweltpolitik. Die Fallauswahl lenkt die Aufmerksamkeit auf die bislang unerforschte Frage, ob die beobachtbare Zunahme von Think Tank Neugründungen in Ostasien, bzw. die steigenden Budgets der dort operierenden Organisationen eine "nachholende" Entwicklung darstellen oder ob es sich um eine regional spezifische Variante der Politikberatung handelt. Zur Vorbereitung einer umfangreichen Studie wurden im Rahmen einer Forschungsreise nach Südkorea und Japan Kooperationen mit führenden asiatischen Think Tanks geknüpft und Primärdaten erhoben. Erste Ergebnisse wurden auf der AAS/ICAS Joint Conference im April 2011 in Honolulu/USA der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

 


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